Die Oberfläche der Erde besteht zu über 70 Prozent aus Wasser. Dadurch wird ein Großteil der energieabgebenden Strahlung der Sonne von den Ozeanen gespeichert. Im Vergleich zu Luft speichert Wasser die Wärme besser, was dazu führt, dass mit den Ozeanströmungen immense Energiemengen bewegt werden.
Um Europa, Grönland und das Nordmeer zu wärmen, fließt das Wasser der Nordatlantischen Strömung anfangs in die Karibik und in den Golf von Mexiko. Dort “tankt das Wasser Sonne”: Es wird von der Sonne bestrahlt und speichert Energie. Anschließend strömt es an der Küste Floridas, Neufundlands und Großbritanniens vorbei bis hinauf an die norwegische Küste. Bis auf die Höhe Neufundlands nennt man diesen Strom den Golfstrom.
Sobald er weiter nach Nordosten durch den atlantischen Ozean geht, bezeichnet man ihn als nordatlantische Strömung.
Im Groben kann man die Nordatlantische Strömung als “Die Heizung Europas” charakterisieren.
Durch die höhere Dichte (anders formuliert: das Gewicht) des Wassers, welches in der Nordatlantischen Strömung fließt, sinkt dieses nach einiger Zeit ab und driftet dann wieder zurück in den Süden. Denn: süßes und warmes Wasser treibt auf salzigem und kaltem Wasser wie Wasser auf Öl, durch seine geringere Dichte. Dadurch, dass im Norden mehr Niederschlag fällt, hat das Wasser dort einen geringeren Anteil an Salz. Das kommt daher, dass der Regen ständig neues Frischwasser in den Ozean bringt, welches das Wasser verdünnt und somit den Salzanteil verringert. Das Wasser in der Nordatlantischen Strömung hingegen kommt vom Süden, wo die Verdunstung das Süßwasser wegnimmt und die Strömung salziger macht.
Aber woher kommt jetzt genau die Wärme für Europa? Die vom Wasser abgegebene Wärme, die beim Fließen in der Strömung abgeht, gelangt nach Europa. Nach einiger Zeit sinkt das Wasser, da es nun genug abgekühlt ist um eine größere Dichte zu erreichen. Bis zum Südpolarmeer kann man diesen Kreislauf weiterverfolgen. Dort wird das Wasser durch die starken Winde in der Umgebung der Antarktis wieder nach oben getrieben.
Diese Strömung zwischen der südlichen und der nördlichen Hemisphäre heißt “meridionale Umwälzzirkulation” (auf Englisch Meridional Overturning Circulation oder auch MOC).
Und was kann nun durch den Klimawandel passieren? Viele Wissenschaftler halten es für möglich, dass die MOC abbricht oder zumindest viel schwächer wird. Wenn die globale Temperatur steigt, führt dies zu mehr Niederschlag im Norden Und die Meerestemperatur steigt natürlich auch an. Dieses Wasser mit einer höheren Temperatur und einem niedrigeren Salzgehalt verliert an Dichte und kann deshalb nicht mehr absinken. Dadurch bricht der Kreislauf zusammen. Der Golfstrom würde langsamer fließen, da der Großteil seines Wassers nicht mehr der nordatlantischen Strömung folgen, sondern nach Süden zurückfließen würde. Das würde bedeuten, dass er die Hitze nicht mehr so weit in den Norden transportieren würde, sondern wahrscheinlich nur bis auf die Höhe Portugals.
Die MOC wird in der Wissenschaft als Kippelement des Klimasystems diskutiert. Ein Kippen könnte eine abrupte Veränderung in der Klimageschichte der Erde verursachen. Folgender Mechanismus könnte ausgelöst werden: Wenn der Golfstrom langsamer fließt, bringt er weniger salziges Wasser vom tropischen Atlantik in den Norden. Dort wird das Wasser deswegen noch süßer und sinkt noch langsamer, der Golfstrom wird also noch langsamer. Diesen Mechanismus nennt man „positive Rückkopplung“, er verstärkt eine anfängliche Störung. Nach mehreren Jahrzehnten oder auch Jahrhunderten könnte der Strom dann total abbrechen. Es weiß aber niemand genau, wie viel Zeit und Erwärmung nötig sind um diesen Mechanismus auszulösen. Das Schmelzen Grönlands wird wahrscheinlich auch eine Rolle spielen, da das Nordmeer dadurch noch süßer wird.
Ein Abbrechen des Stromes hätte Auswirkungen auf Europa, Nordamerika und die Nordpolregionen sowie auf die marinen Ökosysteme. Europa würde zwar wahrscheinlich nicht kälter werden als heutzutage, denn die globale Erwärmung wärmt Europa mehr, als ein Abbruch der Zirkulation es kühlen würde. Aber die Zirkulation beeinflusst das Weltklima so stark, dass andere, indirekte Klimaveränderungen die Folge sein könnten. In den Tropen könnte es noch wärmer werden, da die MOC weniger Hitze aus den tropischen Regionen nach Norden transportieren würde. Außerdem könnte die Zahl extremer Wetterereignisse steigen. Beispiele wären Stürme und extreme Niederschläge in Europa oder Dürren in Asien und den Sahelgebieten.
Eine weitere wichtige Funktion des Golfstroms ist das Mischen der Ozeane. Bräche der Strom ab, würde das tiefe, nährstoffreiche Wasser nicht mehr an die Oberfläche gezogen, und das Plankton sowohl im Atlantischen Ozean und auch in den anderen Ozeanen würde stark reduziert. Die Ozeanmischung ist auch wichtig, um die Kohlendioxide (CO2) in der Tiefe der Meere zu speichern. Bis jetzt wurde nämlich ein Drittel des vom Menschen ausgestoßenen CO2 vom Ozean absorbiert. Ohne die MOC könnte weniger CO2 vom Wasser aufgenommen werden und der Treibhauseffekt würde sich verstärken.